Es ist eine grundlegende buddhistische Lehre, dass der Schein trügen kann und die Dinge oft nicht so sind, wie sie scheinen. Dies gilt doppelt für die zornvollen Gottheiten der buddhistischen Kunst und Schrift.
Diese ikonischen Figuren sollen furchterregend sein. Sie fletschen scharfe Stoßzähne und blicken aus mehreren zornigen Augen. Oft tragen sie Schädelkronen und tanzen auf menschlichen Körpern. Sie müssen böse sein, oder?
Nicht unbedingt. Oft sind diese Figuren Lehrer und Beschützer. Manchmal sollen ihre monströsen Erscheinungen böse Wesen abschrecken. Manchmal sollen ihre monströsen Erscheinungen Menschen zu fleißiger Praxis anspornen. Besonders imtantrischen Buddhismus verdeutlichen sie, dass die giftige Energie negativer Emotionen in eine positive, reinigende Energie umgewandelt werden kann.
Viele zornvolle Gottheiten erscheinen imBardo Thodol oder Tibetischen Totenbuch. Diese stellen das schädlicheKarmadar, das ein Mensch in seinem Leben erzeugt hat. Eine Person, die vor ihnen in Angst flieht, wird in einem der niederen Bereiche wiedergeboren. Aber wenn man Weisheit besitzt und erkennt, dass sie Projektionen des eigenen Geistes sind, können sie keinen Schaden anrichten.